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Ferdos Forudastan



Ferdos Forudastan

„Das Kind wird Ärztin.“ Viele Töchter und Söhne hier lebender Väter und/oder Mütter aus dem Orient kennen diesen Satz. Ihre Eltern, überhaupt die türkischen, arabischen oder iranischen Verwandten sähen sie am liebsten im weißen Kittel. Bei mir war das genauso. Und deswegen hat es eine ganze Weile gedauert, bis aus meiner anderen Heimat Iran niemand mehr wissen wollte, wieso ich denn nun keine Medizinerin, noch nicht mal Ingenieurin oder wenigstens Anwältin sondern Journalistin werden wollte- ausgerechnet Journalistin! Also eine „Fusul“, eine „Neugierige“, wie meine Isfahaner Großmutter stets mißbilligend anmerkte.

Und damit lag sie richtig. Ich war neugierig, wollte vor allem verstehen, wie Politik funktioniert und hatte große Lust darauf, dieses Wissen anderen Menschen zu vermitteln. Parallel zu meinem Studium der Rechts- und Politikwissenschaft habe ich unter anderem für die Badische Zeitung in Freiburg gearbeitet. Nach dem Juristischen Staatsexamen 1989 wurde ich Bonner Korrespondentin der taz, einige Zeit später wechselte ich ins Parlamentsbüro der Frankfurter Rundschau.

Erst in Bonn habe ich gelernt, welche Muster politischen Prozessen zugrunde liegen. Und die Kontakte, die ich damals zu Politikern geknüpft habe, helfen mir bis heute bei meiner journalistischen Arbeit.

Als der Politikbetrieb Ende der neunziger Jahre nach Berlin umzog entschloss ich mich, im Rheinland zu bleiben und als „Freie“ weiterzumachen. Das bereitet mir nach wie vor große Freude.

Und die iranische Verwandtschaft? Hat sich längst mit meiner Berufswahl ausgesöhnt!